Königlich Dänische Botschaft - Veranstaltungen

Unser schwacher Mut - Dichter im Krieg


Datum und Uhrzeit

Montag 12. März 2018 von 19:30 Uhr bis 21:00 Uhr

Anmeldefrist

Montag 12. März 2018 um 15:00 Uhr

Ort

Kgl. Dänische Botschaft
Rauchstr. 1
10787 Berlin
Germany

Veranstalter

Königlich Dänische Botschaft - Veranstaltungen
+49 (0)30 5050 2000
events1.dk.botschaft@um.dk



„Unser schwacher Mut“ ist ein klassisches Konzert mit Moderation. Das Konzert besteht aus drei neuen Werken und einem klassisch modernen Stück: „Til min Ven, Digteren Gustaf Munch-Petersen“ – „An meinen Freund, den Dichter Gustaf Munch-Petersen“ zu einem Gedicht von Tom Kristensen, im Jahr 2018 vom dänischen Komponisten Peter Bruun vertont, „Seks digte af Gustaf Munch-Petersen“ – „Sechs Gedichte von Gustaf Munch-Petersen“ vom deutschen Komponisten Alexander Muno 2016 komponiert, „Svendborger Gedichte“ drei Gedichte von Bertolt Brecht von Peter Bruun 2016 vertont sowie „Engführung“ Paul Celans Gedicht von Aribert Reimann 1967 vertont.

Mit dem Untertitel „Dichter im Krieg“ versucht „Unser schwacher Mut“ die Frage zu stellen, was man als einzelner Mensch angesichts der extremen Konflikte der Welt machen kann?

Die Lieder werden von dem Tenor Mads Elung-Jensen und von dem Pianisten Axel Bauni aus Berlin interpretiert. Der Kulturprogrammbeauftragter des Dänischen Rundfunk, der Film- und Musikwissenschaftler Tore Leifer aus Kopenhagen, übernimmt die Einführung und diskutiert zwischen den Werken des Konzerts die Gedichte, die Komponisten, die Werke selbst und Parallelen zu menschlichen und politischen Herausforderungen unserer Zeiten.

Moderation als zentraler Punkt

Der Moderator Tore Leifer ist zentraler Mitwirkender der Veranstaltung. Die Kommunikation und Diskussion über die Werke und ihr poetischer sowie politischer Inhalt ist entscheidend. Sie soll zentrale Problemstellungen aufzeigen sowie dem Zuhörer als Schlüssel dienen, um unbekannte musikalische Räume zu betreten.

Celan / Reimann – eine Wanderung durch die innere Angst

„Unser schwacher Mut“ stellt eine Kulmination vieler Jahre der Beschäftigung mit den Werken und ihren Themen dar. Aribert Reimann schrieb 1967 „Engführung“ auf Grundlage von Paul Celans Gedicht sowohl für den schweizerischen Tenor Ernst Haefliger, zu der Zeit lyrischer Tenor an der Deutschen Oper in Berlin, als auch für sich selbst als Pianist.

Paul Celan wuchs als deutschsprachiger Jude in Bukowina im damaligen Rumänien auf. 1942 wurden seine Eltern in ein Arbeitslager deportiert, in dem beide umkamen. Der Terror des Zweiten Weltkriegs hinterließ bei Celan tiefe Wunden. Die Furcht des drohenden Atomkriegs ist ein durchgehendes Thema in Celans Leben und in seinem künstlerischen Schaffen.

In Paul Celans Gedicht geht der Erzähler auf eine alptraumhafte Wanderung durch die innere Angst, bis es ihm gelingt, einen Weg in die Welt zurückzufinden, die er einst kannte. „Engführung“ wird als eines der bedeutendsten Werke unter Reimanns bemerkenswerten Kompositionen betrachtet.

Mads Elung-Jensen studierte in den 1990er Jahren bei Ernst Haefliger. Haefliger forderte ihn damals auf, das Werk zu singen, welches wegen seiner großen technischen und musikalischen Herausforderungen kaum aufgeführt worden war. Als Mads Elung-Jensen 2009 nach Berlin zog, nahm er sich die Aufführung des Werkes vor, suchte er in Axel Bauni einen ehemaliger Schüler Reimanns und dessen Nachfolger als Professor zeitgenössischer Liedinterpretation an der Universität der Künste auf. Im Jahr 2011 führten sie die „Engführung“ während eines begeisterten Empfangs, mit Reimann selbst anwesend, in den Nordischen Botschaften in Berlin auf.

Munch-Petersen / Muno – Die zwingende Notwendigkeit

Nach dem Auftritt war es Elung-Jensnes und Baunis Wunsch, einen Konzertrahmen zu finden, der diesem Werk die passende Aufführung geben könnte. 2015 übersetzte Mads Elung-Jensen die „NITTEN DIGTE – NEUNZEHN GEDICHTE“ aus dem Jahr 1937 von Gustaf Munch-Petersens ins Deutsche, die auf der dänischen Insel Bornholm unter dem Eindruck des faschistischen Vormarsches in Europa geschrieben waren. Im Laufe der Gedichtsammlung entsteht unter Natur- und Fischerbildern in immer höherem Grade eine zwingende Notwendigkeit gegen die „Schande“ handeln zu müssen.

Munch-Petersen reiste 1937 abrupt ab, um im spanischen Bürgerkrieg zu kämpfen. Er hinterließ nur eine Nachricht an seine schwangere Frau auf dem Küchentisch, dass er abgereist war. Von Spanien aus schrieb er zurück, dass er den Kampf als eine natürliche Fortsetzung seines künstlerischen Schaffens sah. Im Frühling 1938 fand man ihn niedergeschossen.

Mads Elung-Jensen gab die deutschen Übersetzungen von „NITTEN DIGTE“ an den Komponisten Alexander Muno, der sofort den Wunsch äußerte, eine Auswahl der Gedichte in Musik zu interpretieren – in der Originalsprache Dänische. Der Titel des Konzertes „Unser schwacher Mut“ entspringt einem der Gedichte.

Brecht – Bruun – Die Frustration des Flüchtlings

Der deutsche Dichter Bertolt Brecht musste 1933 nach der nationalsozialistischen Machtübernahme in Deutschland nach Dänemark fliehen. In seinen „Svendborger Gedichte“ aus dem Jahr 1937 drückt er die die Frustration des Flüchtlings aus, der fern ab der Kampfzone nicht Handeln kann. Seine ungenutzte Energie wird zur Lähmung. Eine fremde Sprache zu lernen, die Pflanzen gießen oder einen Nagel in die Wand zu schlagen – alles wird in den Gedichten wie eine Akzeptanz der eigenen Lebensniederlage.

Diese Gedichte gab Mads Elung-Jensen an den Komponisten Peter Bruun weiter und im Jahr 2016 kam es zur Uraufführung beider Liedzyklen der Konzertreihe mit Axel Bauni und Bruun bei der Dänischen Liedergesellschaft in der Königlichen Dänischen Musikhochschule in Kopenhagen.

Speziell für die Aufführungen von „Unser schwacher Mut“ hat Peter Bruun das Lied „Til min Ven, Digteren Gustaf Munch-Petersen“ – „An meinen Freund, den Dichter Gustaf Munch-Petersen“ basierend auf Tom Kristensens Gedicht von 1938 komponiert und unter dem Eindruck der Nachricht vom Tod Munch-Petersens in Spanien geschrieben.

Alle Werke sind selbständige Kunstwerke, aber gleichzeitig mit „Engführung“ als „Unser schwacher Mut“ mitgedacht.

Veranstaltungsort

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